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Archive für 20.5.2010
Feng Shui ist keine Metaphysik
20.5.2010 von *v*.
Feng Shui ist eine vielfältige und variantenreiche Technik, deren theoretische Grundlagen sich auf einer enormen Abstraktionshöhe befinden und dem abendländischen Denken zunächst einmal vollkommen unähnlich sind. In der Regel ist es dem westlichen Durchschnittsverbraucher nicht möglich, Fachkompetenzen in den chinesischen Lebenswissenschaften von sich aus zu überprüfen.
Neben allen Methoden, Techniken und Theorien, die den Luopan tatsächlich in der klassischen Literatur des kaiserlichen Chinas umgeben, ist es besonders die Kraft der Suggestion , die während einer Feng Shui Beratung durch die Präsenz des Luopan zunächst einmal wirksam wird. Dabei verstärkt sich diese Suggestionskraft überproportional mit dem zunehmenden Eindruck der Unverständlichkeit des gezeigten Luopan. Es ist deshalb fraglich, ob ein ins Deutsche oder Englische übersetzter Luopan mit einem chinesischen sowohl auf psychologischer als auch auf instrumentaler Ebene konkurrieren kann, denn jede logische Konkretisierung des chinesischen Luopan zugunsten des Verständnisses des westlichen Betrachters ist auch eine Verringerung der durch dieses Instrument suggerierten Heilsbotschaft und schmälert damit auch den Eindruck der nahestehenden Erfüllung unerhörter Hoffnungen.
So bewirken westliche Luopan Varianten allzu oft unausgesprochene psychologische Verwechslungen und subtile Falschdarstellungen, die dem Heils-und Erlösungswunsch des westlichen Publikums und seiner damit verbundenen Zahlungsbereitschaft mehr entsprechen als der Wahrheit in den chinesischen Lebenswissenschaften.
Die Problematik, von der hier die Rede ist, wird bereits an dem Versuch ersichtlich, chinesische Lebenswissenschaften in die Begrifflichkeit einer *chinesischen Metaphysik* zu pressen.
Metaphysik ist etwas, was “jenseits” (griechisch: meta) der Physik liegt. Keineswegs sind die Konzepte der chinesischen Lebenswissenschaften metaphysisch angelegt, denn sie berichten stets von den Wirkkräften der Natur auf den menschlichen Lebensraum, beschrieben als ” Himmel und Erde” (tiandi) und auf den Menschen selbst, der auch ein Abbild seines Lebensraums ist und somit als “kleines Himmel-und-Erde” (xiao tiandi) bezeichnet wird.
Die Konzepte der traditionellen Lebenswissenschaften sind nur eine andere Auffassung und Beschreibung der uns umgebenden physikalischen Welt, als wir es aus der abendländischen Perspektive gewöhnt sind. Berge sind etwas sehr Physisches, ebenso wie die Erde selbst.
Morgen mehr dazu, wenn ich Zeit habe ![]()
Geschrieben in Denkanstoß | 1 Kommentar »